Das Jahr 2005 / Die Haare
Menschliches Haar hatte im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Bedeutungen. Es weckt Emotionen, ist ein Teil der Person und kann in Form einer Haarlocke bei sich getragen werden, wenn man von einem geliebten Menschen getrennt ist oder dieser verstorben ist.
Die Verarbeitung von Menschenhaar ist eine uralte Kunstform in Europa. Schon die alten Römer fertigten Kunstgegenstände aus Menschenhaar. Im Mittelalter schnitten englische Frauen sich Haarlocken ab und flochten sie zu Geschenken, die sie ihren Rittern überreichten. Auch Männer legten ihren Liebsten Haarlocken bei.
Im 19. Jahrhundert stellten geschickte Handwerker Bilder aus Menschenhaar her. Auch Frauen aus den höheren Gesellschaftsschichten widmeten sich diesem Handwerk.
Anfang des 19. Jahrhunderts reiste die junge Isländerin Guðrún Hjálmarsdóttir aus Ármúli an der Langasandsströnd nach Dänemark, um dort Hebammenkunde zu studieren. Sie heiratete den dänischen Seemann Niels Fredrik Halberg und ließ sich in Dänemark nieder. Dort erlernte Guðrún Hjálmarsdóttir Halberg das Friseurhandwerk und wurde die erste Isländerin, die in diesem Beruf arbeitete.
Karitas Hafliðadóttir aus Fremri-Bakki in Landadalur in Nauteyrarhreppur, eine Nichte von Guðrún, ging mit 18 Jahren nach Dänemark, um Handarbeit und Schneiderei zu erlernen. Ihre Tante mütterlicherseits führte sie in das Friseurhandwerk ein, und sie lernte bei ihr. Karitas kehrte nach Island zurück, ging aber einige Jahre später wieder nach Dänemark, um sich auf das Lehramt zu spezialisieren. 1898 wurde Karitas Kinderlehrerin in Ísafjörður und arbeitete bis 1940 in diesem Beruf. Neben ihrer eigenen Tätigkeit als Friseurin gab Karitas ihr Wissen weiter.
Ragnheiður Hákonardóttir aus Reykhólar war einer derjenigen, die bei Karitas studierten. Ragnheiður lebte die meiste Zeit ihres Lebens mit ihrem Mann Salvar Ólafsson in Reykjarfjörður in der Nähe von Ísafjarðardjúp. Sie fertigte viele Bilder aus Menschenhaar an und brachte anderen die Kunstform bei.
Sigríður Salvarsdóttir (geb. 1925) lernte das Haarstyling von ihrer Mutter, Ragnheiður Hákonardóttir. Seit etwa 1980 ist Sigríður als Friseurin tätig und stellt auch Schmuck aus Menschenhaar her, etwa Anstecknadeln und Ohrringe.
Im Folgenden können Sie den Ausstellungstext dieser Ausstellung zum Thema Haare lesen:

